Donnerstag, 24. Mai 2012

der kommissar ernst gennat

In der Nähe vom Berliner Ostbahnhof (damals schlesischer Bahnhof und wirklich keine gute Wohngegend) nahm die Berliner Polizei unter der Führung des legendären Berliner Kommissar Ernst Gennat am 21. August 1921 den Serienmörder Karl Großmann fest. Zwischen 1918 und 1921 hatte man 23 zerstückelte Frauenleichen rund um den Bahnhof gefunden.

Ernst Gennat gilt als Begründer der modernen Mordkommission und revolutionierte die gesamte Polizeiarbeit. Als er 1904 in den Polizeidienst kam, fand er sich eklatant ineffizienten Ermittlungsmethoden gegenüber. Er selbst spottete, dass die Suche nach einem Kommissar oftmals schwieriger gewesen sei, als den Mörder selbst du fassen. Denn es dauerte zumeist Stunden bis ein Beamter gefunden werden konnte, der sich dem Fall annahm. Und einen wirklich gut organisierten 24-Dienst gab es, trotz dem jüngst eingerichteten Mordbereitschaftsdienst, schlicht und ergreifend nicht. Hinzu kam, dass die Polizeiarbeit zumeist unter den preußisch militärischen Gepflogenheiten der Beamten litt. Die Beamten zerstörten regelmäßig wichtige Spuren, indem sie vor der Ermittlungsarbeit erstmal den Tatort aufräumten und zudem die Leiche angemessener hinlegten oder anzogen. Als weiteres Hindernis für eine erfolgreiche Aufklärung, wurden die Polizeiakten damals nicht archiviert und eine Zusammenarbeit über Städte-, geschweige denn Landesgrenzen hinaus gab es schon gar nicht.

Unter der Leitung Gennats nahm 1926, nach langen Behördenkämpfen, die allererste Mordinspektion ihre Arbeit auf und erzielte eine unglaubliche Aufklärungsquote von 95%. Sie ist in etwa vergleichbar mit der heutigen, aber damals standen den Beamten weder DNA-Tests noch andere moderne Geräte und Verfahren zur Verfügung. In seiner gesamten Laufbahn konnte Gennat 297 Morde aufklären. Denn er war nicht nur ein guter Analytiker sondern auch ein Meister des Verhörs: „Wer mir einen Beschuldigten anfasst, fliegt! Unsere Waffen sind Gehirn und Nerven!" pflegte er seinen Polizeischülern einzubläuen.

Gennat führte zudem ein umfassendes Akten-Archiv ein und pfiff dabei auf Zuständigkeitsbestimmungen. Auch das, in der Bevölkerung als Mordauto bekannte, erste fahrbare Kriminallabor wurde nach seinen Anweisungen konstruiert. Ausgestattet mit einem kleinen Büro sowie Materialen zur Spurensicherung konnte alles Notwenige sofort zum Tatort gefahren werden. Gennat saß stets rechts hinter dem Beifahrer, denn unter diesem Sitz hatte er eine Spezialverstrebung einbauen lassen, die verhinderte, dass der Wagen in Schieflage fahren musste, denn Gennart wog Schätzungen zufolge 135 Kilo. Dies verdankte er vor allem seiner Vorliebe für Kuchen.

Quellen:
Hahn, P.: Kriminalrat war spezialisiert auf Mord. In: Märkische Allgemeine Zeitung, (31.12.2004).
Berlin.de: Der Polizeipräsident in Berlin. http://www.berlin.de/polizei/wir-ueber-uns/historie/weimar.html (abgerufen am 21. Mai 2011)
Deutschlandradio Kultur: Modernisierer der Mordkommissionen. http://www.dradio.de/dlr/sendungen/merkmal/295627/ (abgerufen am 21. Mai 2011)

Kommentare:

  1. Endlich mal ein wacher Kommissar.
    Die hatten es echt nicht einfach damals.
    Danke für die Einblicke in alte Gepflogenheiten.
    Grins, die Verstrebungen im Auto hat er auch noch erfunden und installieren lassen, damit das Auto nicht umkippt, ich lach mich schlapp.
    Er hätte sich ja in die Mitte setzen können....

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  2. und wann gibt es die erste Krimiserie mit Gennat? ;-)

    danke wieder für die Info - und das tolle Foto dazu!

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  3. Auch ich habe eine Vorliebe für Kuchen, allerdings ist da noch Platz zu 135 kg,
    und löse gerne Kriminalfälle.
    Meine Aufklärungsquote liegt bei 89 %.

    LG Rosine ♥♥♥

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  4. Die Ineffizienz der Polizei in Mordfällen war nicht nur in Berlin ein Problem. In Hannover konnte der Polizeispitzel und Massenmörder Fritz Haarmann zwischen 1918-24 mehr als zwanzig Menschen ermorden, bis er verhaftet wurde.

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  5. Hallo Sarah-Maria,
    ist wieder toll recherchiert und deine Erzähltechnik finde ich auch klasse. Die Themen sind interessant aufbereitet, und dein Blog ist stets schön zu lesen.

    Gruß Dieter

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  6. Schöner Artikel! Ich musste beim Lesen sofort an die Geschichten von Sherlock Holmes denken, denn auch er spricht ständig davon, dass die Polizeibeamten immer die Spuren zerstörten und nicht analytisch vorgingen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass einige Methoden aus Conan Doyles Geschichten übernommen wurden, bei zwei Fällen hat er sogar den Auftrag bekommen, sie zu lösen.
    Weißt du denn, wann "unsere richtige" Methode sich endgültig durchgesetzt hat?
    Viele liebe Grüße!

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  7. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel, Sarah-Maria. Du bringst immer Themen, die nicht so alltäglich sind und deshalb finde ich sie besonders spannend!
    ♥lichst Zaunwinde

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  8. Hallo Srah-Maria,

    bei einem so scharfen Verstand brauch der Mensch vielleicht mehr Kuchen :) - ich konnte es nachvollziehen :) aber es ist natürlich eine sehr zu achtende Leistung, die er für die Aufklärung von Gewlttaten erreicht hat. Ein wunderbarer und hochinteressanter Bericht. Vielen Dank!

    Einen lieben Pfingstgruß von Senna

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