Samstag, 19. November 2011

bertolt brecht in berlin

©Sarah-Maria
Brecht machte sich in Berlin zunächst als Schreiberling u.a. in dem Ullstein-Verlag und durch Gedichtbände einen Namen. Doch schon früh versuchte er in der Berliner Theaterwelt Fuß zu fassen. 1922 betrat er im Kabarett „Wilde Bühne“ (Kantstraße 12) zum ersten Mal eine Berliner Bühne und unter Max Reinhardt hospitierte er bereits 1921 am Deutschen Theater. 1928 schaffte er zusammen mit Kurt Weill und ihrer Dreigroschenoper den Durchbruch. Fast ein ganzes Jahr lang lief das Stück im Theater am Schifferbauerdamm (heute Berliner Ensemble): „Die Zeit war reif für den gallenbitteren Zynismus, die Brutalität, den harten Knockout der Songs von Brecht und Weill. Jeder etwas zeitgemäße jüngere Mann trug diese Brutalität im Knopfloch als den Slogan des Tages“, schrieb der Publizist Willy Haas über den Kassenschlager. Es folgten weitere Aufführungen über Berlins Grenzen hinaus und eine Verfilmung stand ebenfalls an. Diese war jedoch ganz und gar nicht nach Brechts Geschmack: er zeterte und protestierte, doch es half alles nix, das Unternehmen hatte nunmal die Rechte an dem Stück erworben und machte es folglich nach ihrem eigenen Gusto.

Vor dem Zweiten Weltkrieg haben Berthold Brecht und Helene Weigel zunächst in der Spichernstraße, dann in der Hardenbergstraße 1a und ab Oktober 1932 in der Leibnizstraße 108 gewohnt. Mussten allerdings bei Unterschreibung des Mietvertrages versichern, dass sie keinerlei politisches Material an dem Haus oder dessen Fenster anbringen, denn die politische Stimmung war in Berlin aufgeheizt und man hatte Angst den Hausfrieden zu gefährden. Dort lebte das Paar jedoch nur einige Monate, denn direkt nach dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar und der darauf folgenden Machtergreifung der Nazis verließen die beiden Deutschland in Richtung Prag. Brecht und Weigel waren den Nazis schon lange ein Dorn im Auge und sie hatten Angst vor einer Verhaftung – vermutlich zu Recht.

Drei Jahre nach dem Krieg, 1948, ging Brecht wieder zurück nach Berlin und zu „seinem“ Theater am Schifferbauer Damm. Angesichts der völlig zerstörten Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg äußerte Brecht sich, nicht ohne bitteren Sarkasmus, in seinem Tagebuch zu der sich in seiner Biographie wichtigsten Stadt wie folgt: „Berlin, eine Radierung Churchills nach einer Idee Hitlers. Berlin, der Schutthaufen bei Potsdam.“

Quelle:
Bienert, M., Buchholz E. L.: Die Zwanziger Jahre in Berlin: ein Wegweiser durch die Stadt. Berlin: Berlin Story Verlag, 2006

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